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Okarina

Die Okarina ist ein Blasinstrument. Sie ist einteilig, hat meist eine runde Form und wird abhängig von der Art der Tonerzeugung den Kernspaltflöten oder den Flöten ohne Schnabel zugeordnet. Wörtlich übersetzt aus dem Italienischen heißt Okarina „kleine Gans“ oder „Gänschen“. In der Instrumentenkunde wird sie als Kugelflöte oder Gefäßflöte geführt.

Die Okarina ist ein uraltes Musikinstrument. Geschichtsforscher haben festgestellt, dass das Musikinstrument bereits vor 12.000 Jahren genutzt wurde. Sowohl die Maya, die Inka als auch die Atzteken spielten auf dieser kleinen Flöte.

Inhaltsverzeichnis

Woraus bestehen Okarinas?

Die kleinen Instrumente bestehen aus luftgetrocknetem, gebrannten oder aus glasiertem Ton. Bekannt aus dem Altertum sind auch aus Kalebassen hergestellte Modelle. Seltener sind sie aus Porzellan, Holz oder Metall. Preisgünstiger in der Herstellung und besonders geeignet für die Nutzung von Kindern sind Okarinas aus Kunststoff. Die Gefäßflöten wurden oft prachtvoll bemalt und verziert.

Die Bauweise der Okarina

Die Blasinstrumente sind länglich gestreckt oder auch kugelig rund. Sie sind meist eiförmig, birnenförmig oder auch rübenförmig. Die Instrumente wurden auch in Tierformen hergestellt, zum Beispiel in Form von Vögeln oder Schildkröten. Überwiegend werden sie mit beiden Händen gespielt. Die traditionellen österreichischen Okarinas bestehen aus Ton und haben üblicherweise vier bis zwölf Löcher. Über deutlich mehr Löcher verfügen die Instrumente im Double- und Triple-System. Die Gefäßflöten der Inkas haben vier Löcher auf der Vorderseite und zwei Löcher auf der Rückseite. Es sind verschiedene afrikanische Okarinas bekannt. Die Gefäßflöten aus Uganda werden „ebundi“, „kigwari“ oder „kigwara“ genannt. Im Kongo werden Okarinas als „Bassonge „bezeichnet, sie werden bei der Jagd als Signalinstrument verwendet. Alle afrikanischen Exemplare bestehen aus kleinen Kalebassen oder aus anderen getrockneten Früchten. An beiden Seiten verfügt das Instrument über Löcher für den linken und den rechten Zeigefinger. Am schmalen Ende des Gefäßes befindet sich die Anblaskante. Chinesische Gefäßflöten werden „Xun“ genannt und sind meist eiförmig. Die Okarinas der Atzteken hatten oft die Gestalt von Tieren.

Die Klassifizierung der Okarinas

Die Klassifizierung der Okarinas wird nach verschiedenen Merkmalen vorgenommen. Die wichtigste Unterteilung ist die in Instrumente mit Kernspalt, diese sind blockflötenartig aufgebaut und verfügen z. B. über ein Schnabelmundstück. Gefäßflöten ohne Kernspalt haben dagegen ein Anblasloch mit oder ohne Kerbe. Sie werden wie eine Querflöte oder Panflöte benutzt. Gefäßflöten werden in verschiedenen Formen hergestellt, sie sind länglich, rund oder in Tiergestalt geformt. Alle Instrumente mit Kernspalt verfügen über einen engen Kanal, der den Luftzug zur Anblaskante leitet. Dieser Kanal ist zu einem Mundstück geformt. Das Mundstück wird bei einigen Modellen an die Lippen gelegt, bei anderen wird es zwischen die Lippen genommen, um Musik zu machen. Zu den Instrumenten mit Kernspalt zählen zum Beispiel

  • die Birnenflöte
  • die Kuckucksflöte (eine Okarina mit nur einem Loch)
  • das Gemshorn
  • die Kiokioka aus Madagaskar
  • die Lerche, eine tönerne Okarina mit zwei Löchern
  • die Langök, eine schwediche, vierlöchrige Flöte
  • die Siruell, das mallorcinische Figurenpfeifchen

 

Zu den Instrumenten ohne Kernspalt wird die chinesische Xun gerechnet. Des Weiteren wird nach der Anzahl und Anordnung der Grifflöcher und nach der Position der Hände unterschieden. Wichtige Unterscheidungsmerkmale der Okarinas sind auch die verschiedenen Griffsysteme . Es gibt Instrumente mit linearen und mit Kreuzsgriffsystemen. Bei den Objekten mit linearen Griffsystemen ist die Anordnung der Grifflöcher ähnlich wie bei der Blockflöte. Das lineare, von Giuseppe Donati entwickelte, Griffsystem wurde mehrfach verändert. Es wurden z. B. aus der 10-Loch-Okarina 9-Loch-Instrumente, es wurden Exemplare mit doppelten Löchern hergestellt und teilweise wurden drei weitere Löcher ergänzt und die Griffvariationen erweitert. Die Gefäßflöten werden weiterhin unterteilt nach Art der Stimmsysteme. In den meisten Fällen werden pentatonische oder diatonische Systeme genutzt. Für das Spiel in Musikgruppen wurden die kleinen Blasinstrumente in unterschiedlichen Tonlagen so hergestellt, dass sich der Tonraum der einzelnen Instrumente überschneidet. Geübte Okarinaspieler können so Melodien spielen, die den Tonraum der Okarina überschreiten. Des Weiteren klassifiziert man die Instrumente abhängig von der Anzahl ihrer Kammern in einfache, Doppel-, Dreifach- und Vierfachgefäße.

Die Geschichte der Okarinas

Es ist überliefert, dass Giuseppe Donati, ein Keramiker aus Budrio in Italien, die erste Gefäßflöte mit 1,5 Oktaven aus Ton herstellte. Diese 10-Loch-Okarina hatte eine rübenförmige Gestalt. Der Keramiker stellte sein Instrument in verschiedenen Größen her, eine ganz kleine Sopranokarina und die große Bassokarina. Das erste Konzert eines Okarinaquintetts fand im Jahr 1863 in Budrio statt. Takashi Aketagawa, ein japanischer Künstler, entwickelte auf Grundlage der 10-Loch-Okarina des italienischen Erfinders Donati die 12-Loch-Okarina. Diese setzte sich durch und gilt neben der 10-Loch-Okarina auch heute noch international als beliebteste und gebräuchlichste Form. Im Jahr 1965 erfuhr das kleine Instrument eine weitere Veränderung durch Josef Plaschke, einen Südtiroler Instrumentenbauer, und Franz Kofler , einen Volksmusikanten. Die Südtiroler Okarina ist seitdem nicht mehr aus der alpenländischen Musik wegzudenken. Auch heute noch wird die Okarina weltweit genutzt und immer weiter verbessert. Es werden neue Materialien – wie z. B. Edelhölzer oder Aluminium – verwendet. Auch die Formenvielfalt scheint grenzenlos. Neben den Objekten aus Holz in Kartoffel- oder Walnuss-Form gibt es auch Outdoorokarinas aus Polycarbonat, Aluminium und Harthölzern. Immer mehr setzen sich Gefäßflöten durch, die auf dem Mehrkammersystem als Double-, Triple- oder Quadruple-Okarinas. Das Mehrkammersystem wurde von Luigi Silvestri entwickelt. Der Tonumfang der verschiedenen Okarinas:

  • Das Dual-System hat einen Tonumfang von 2 Oktaven über 20 Löcher.
  • Das Triple-System hat einen Tonumfang von drei Oktaven über 30 Löcher.
  • Das 12-Loch-System hat einen Tonumfang von 1 Oktave und 5 Tönen chromatisch.
  • Das 10-Loch-System hat einen Tonumfang von 1 Oktave und 3 Tönen chromatisch.
  • Das 8-Loch-System hat einen Tonumfang über c,d,e,f,g,a,h,s.
  • Das 7-Loch-System hat einen Tonumfang von 1 Oktave chromatisch.
  • Das 4-Loch-System hat einen Tonumfang von 1 Oktave chromatisch. Bei den Exemplaren mit zwei Daumenlöchern wird ein Tonumfang von 1 Oktabe und 2 Tönen chromatisch erreicht.
  • Bei der sogenannten easy-Okarina, die auf dem 4-Loch-System beruht, wird ein Tonumfang von 6 Tönen (c,d,e,f,g,a) erreicht.

 

Einige runde Okarinas haben unterschiedlich große Löcher. Bei diesen Instrumenten kann durch verschiedene Griffvariationen mit nur wenigen Löchern eine ganze Tonleiter gespielt werden, es entstehen also mehr Töne als die Anzahl der Löcher vermuten lässt. Grund dafür ist, dass auf runden Instrumenten in freier Folge gespielt werden kann. Wenn man eine runde Gefäßflöte mit gleichgroßen Löchern spielt, erhält man ungefähr das gleiche Tonintervall, egal, welches Loch man öffnet oder schließt. Wenn man zwei Löcher zur gleichen Zeit öffnet oder schließt, vergrößert sich das Intervall. Die Kombination der Löcher ist nahezu unerheblich. Bei Instrumenten, die Löcher in unterschiedlichen Durchmessern besitzen, ist das Ergebnis deutlich vielfältiger. Die Größe des Lochs entscheidet über das Tonintervall, welches beim Öffnen oder Schließen entsteht. Durch Kombination der unterschiedlichen Lochgrößen entwickeln sich demzufolge wesentlich mehr Töne als auf Modellen mit gleichgroßen Löchern. Bereits bei runden Instrumenten im 4-Loch-System mit verschieden großen Löchern können viele Melodien gespielt werden. Unter dem Namen English Crossfingering ist das bedeutendste 4-Loch-Griffsystem bekannt. Die Erweiterung dieses Systems um zwei Daumenlöcher führte zum 6-Loch-Griffsystem, mit dem es möglich wurde, eine neunstufige Tonleiter und sechs chromatische Töne zu spielen. 6-Loch-Instrumente mit zwei großen Daumenlöchern erreichen die Dezime, Instrumente mit einem großen und einen kleinen Daumenloch, die insbesondere von den Engländern Riley und Langley entwickelt wurden, erreichen die None. Jordan Darrington, ein amerikanischer Musiker, veränderte das englische System von Riley und Langley noch weiter und erhielt durch die Verbindung von zwei Kammern in einem Instrument einen Tonumfang von zwei Oktaven. Die Entwicklung der Okarinas ist nicht aufzuhalten und immer wieder werden neue Variationen mit noch mehr Möglichkeiten vorgestellt.

Wie spielt man eine Okarina?

Auch wenn die Okarina ein kleines und auf den ersten Blick einfaches Instrument zu sein scheint, sind zum Spielen ein gutes Gehör, ein gutes Tonverständnis und eine gute Zwerchfellatmung erforderlich. Die kleine Flöte gehört sicherlich nicht zu den gebräuchlichsten Musikinstrumenten, aber immer mehr Menschen begeistern sich für das Instrument in seiner großen Formen- und Materialienvielfalt. Die Okarina hat viele Vorteile: Sie ist im Gegensatz zu anderen Blasinstrumenten sehr preisgünstig. Sie kann einfach transportiert werden, und Sie können sie überall hin, auf Wanderungen oder auf Reisen, mitnehmen. Die Okarina kann sowohl allein als auch in der Gruppe gespielt werden, auch das ist ein wichtiger Vorzug. Sie ist zudem ein Instrument, das in einer breiten Palette an Musikrichtungen zum Einsatz kommen kann. Das Entscheidenste für viele Anfänger ist jedoch, dass Notenkenntnisse zum Erlernen des Okarinaspiels nicht unbedingt erforderlich sind. Wenn Notenkenntnisse jedoch vorhanden sind, erleichtern sie den Einstieg. Auch wenn die kleinen Gefäßflöten zu den preisgünstigen Instrumenten gehören, ist es nicht ratsam, Modelle für unter 10 Euro zu erwerben. Diese Modelle sind eher als Kinderspielzeug gedacht und kaum zum Musizieren geeignet. In der musikalischen Früherziehung von Kindern kommen oft Instrumente aus Plastik zum Einsatz. Diese sind stabil und pflegeleicht und in Kindereinrichtungen auch sehr empfehlenswert. Plastikmodelle klingen jedoch nicht so gut wie Instrumente aus Ton, Porzellan oder Holz. Für Einsteiger eignet sich in den meisten Fällen ein einfaches tönernes Modell. Viele Okarinaspieler sagen, das passende Instrument findet seinen Spieler. Es ist durchaus ratsam, auf das Bauchgefühl zu hören und die Flöte zu wählen, die einen „anspricht“. Wie beim Aussehen und beim Material gilt das auch bei den Tonlagen. Ob tiefere Alt- oder höhere Sopran-Tonlagen bevorzugt werden, ist Geschmackssache, und danach sollte das geeignete Modell gewählt werden. Wichtig beim Einstieg in das Okarinaspiel ist die Entscheidung für ein Loch-System. In der musikalischen Früherziehung kommen 4-Loch-Okarinas zum Einsatz. Das ist eine gute und einfache Möglichkeit, um Kinder für das Musizieren zu begeistern. Erwachsene Einsteiger sollten sich jedoch für ein 10-Loch- oder 12-Loch-Modell entscheiden, um das Instrument in seiner großen Bandbreite nutzen zu können. Wer ein Instrument im Handel kauft, erhält meist auch eine Okarinaschule dazu. Ansonsten ist es sehr ratsam, ein Lehrheft mit einer Grifftabelle zu erwerben. Einige Volkshochschulen bieten Kurse im Okarinaspielen an, auch das ist eine empfehlenswerte und sehr gesellige Art, das Spiel auf dem Instrument zu erlernen. Das Prinzip, wie Melodien auf der Gefäßflöte erzeugt werden, ist recht einfach. Wenn alle Löcher abgedeckt werden, wird der tiefste Ton erzeugt. Wenn man nacheinander die Löcher öffnet, werden die Töne immer höher. In dem Wechsel zwischen offenen und geschlossenen Löchern lassen sich schnell einfache Melodien erzeugen. Schwieriger ist es, die verschiedenen Tonarten umzusetzen. Anfänger sollten mit Melodien in C-Dur beginnen und sich nach und nach an die anderen Tonarten herantasten. Spieler, die nicht über Notenkenntnisse verfügen, spielen nach der Grifftabelle. Diese zeigt die Griffe, also jeweils die offenen und geschlossenen Löcher an. Diese Spielweise ist als Einstieg geeignet und kommt eher einem Probieren gleich. Empfehlenswert ist, sich Schritt für Schritt mit der Notenlehre vertraut zu machen. Wer über grundlegende Notenkenntnisse verfügt, für den steht ein riesiges Repertoire an Okarinamelodien zum Musizieren bereit.

Die Haltung und die Atmung

Für ein optimales Ergebnis ist die richtige Handhaltung entscheidend. Die Hand wird mit leicht gekrümmten Fingern ganz locker gehalten. Die Finger schließen die Löcher mit den Fingerkuppen ab, keinesfalls mit den Fingerspitzen. Zu vermeiden ist das Strecken der Finger. Zu beachten ist, dass die Schultern locker herunter hängen und nicht hochgezogen werden. Wenn nur wenige Löcher geschlossen sind, stützt der kleine Finger der rechten Hand das Instrument. Der kleine Finger bleibt zur Stabilisierung immer an der Okarina liegen. Das Anblasstück bleibt beim Spielen auf der Unterlippe liegen, es wird nicht aus dem Mund genommen. Die Atmung erfolgt als Zwerchfellatmung. Beim Einatmen weitet sich nicht der Brustkorb, sondern der Bauch.

Wichtig für das Okarinaspiel: die richtige Artikulation

Artikulation heißt bei Blasmusikern die Art, in der sie die Töne anstoßen oder voneinander trennen. Bevor ein Ton gespielt wird, befindet sich die Zunge am Gaumen. Während sich die Zunge vom Gaumen entfernt, entsteht der Ton und wird beendet, indem die Zunge wieder an den Gaumen gelegt wird. Die Geschwindigkeit dieser Bewegungen, auch die Frequenz der aufeinander folgenden Bewegungen bzw. die Dauer des Verharrens der Zunge am Gaumen, entscheiden über das Ergebnis.

Das Stimmen der Okarina

Bei Instrumenten der Volksmusik wird das Stimmen meist dem Zufall überlassen. Wenn in der Gruppe musiziert werden soll, werden Konzert-Okarinas verwendet, die über einen festgelegten Tonraum verfügen. Einige dieser Modelle verfügen über eine Stimmvorrichtung.

Okarina-Noten und Tipps für Spieler

Es gibt zahlreiche Sammlungen von Okarina-Noten. Auch im Internet werden Noten und Grifftabellen angeboten. Interessant für Okarinaspieler sind die Foren, in denen sich Spieler zu ihren Instrumenten, zu neuen Melodien, über ihre Erfahrungen und neue Entwicklungen austauschen. Gerade für Anfänger ist der Austausch mit Gleichgesinnten empfehlenswert, auftretende Hürden beim Erlernen des Okarinaspiels lassen sich so schnell überwinden.

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